Mittwoch, 11. März 2015

Australiens Ikone N°7

The Great Ocean Road (GOR) ist ein 243km langer, spektakulärer und weltbekannter Küstenabschnitt zwischen Torquay und Allensford im Staat Victoria, Australien.



Diese Strasse wurde zwischen 1919 und 1932 hauptsächlich von heimkehrenden Soldaten als Kriegsdenkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden gebaut. Der langwierige Bau dieses weltgrössten* Kriegsdenkmals, war also auch eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme der Regierung und gestaltete sich als schwierig, aufgrund von geographischen und geologischen Gegebenheiten. Die mehr als 3000 Arbeiter bewältigten das meiste ohne grosse technische Hilfsmittel, nutzten Pickel, Schaufeln und Schubkarren.
*ob es wirklich das weltgrösste ist, habe ich nicht selber geprüft. In Australien ist vieles worlds biggest oder biggest on Southern Hemisphere, dabei wird aber Südamerika oft ausser Acht gelassen….

Die GOR beginnt in Torquay und in kleiner Entfernung befindet sich die Bells Beach. Sie ist ein Mekka für Surfer und auch eine Beach, die es in einen Kinofilm geschafft hat. „Point Break“ handelt von einer Surfertruppe, die mit US-Präsidentenmasken Banken überfallen und damit lange erfolgreich sind. Keanu Reeves und Patrik Swayze sind die Hauptdarsteller und die tollsten Surfszenen der Präsidententruppe im Film, wurden an dieser Beach gedreht. Leider war bei jedem meiner bisherigen Besuche (1994, 2010 und 2015) der Wellengang milde und das Spektakel hielt sich in Grenzen. 

Die beiden Hauptdarsteller im Film Point Break

Weiter verläuft die Strasse entlang der Küste in westliche Richtung, und da die Berge des Hinterlandes zum Teil fast bis zum Ozean reichen, schlängelt sich die GOR in einem sehr kurvenreichen Verlauf an deren Rändern entlang. Nebst der schönen Strasse, gibt es ganz tolle Wanderungen. Wir haben einen sehr abwechslungsreichen Bushwalk beim Cumberland River gemacht. 

Aussicht auf den Cumberlandriver und die GOR

Anschliessend führt die GOR durch den Cape Otway Nationalpark, der von gemässigtem Regenwald geprägt ist. Die Strecke ist in diesem Bereich auch leicht hügelig. Der Nationalpark bietet fast garantiert auch jedem Touristen den Blick auf Koalas. 
Dann folgt ein beachtlicher Szenenwechsel, die hügelige Strecke im Regenwald wird zu einer flacheren Küstenstrasse mit steilen, bis zu 60m hohen Cliffs. Es ist der wohl bekannteste und meist fotografierte Teil, der Port-Campbell Nationalpark, welcher einige der beeindruckendsten Küstenlandschaften der Welt bietet. Die Küstenerosion durch Wellen und Gezeiten haben am weichen Kalksteinfels gearbeitet, diesen erodiert und dadurch die bekannten und sich weiter verändernden Felsformationen geschaffen. Unter anderem sind Felssäulen, Höhlen, Bogen und Blowholes zu bestaunen.
Die 12 Apostel sind heute an der Zahl nicht 12 und waren es auch nie. Das mag so manchen Touristen erstaunen, denn von der aufwändig gemachten Besichtigungsplattform können nur 7 ausgemacht werden. Die Namengebung bleibt aber unklar. Es wird offiziell behauptet, es hänge eben davon ab, woher man guckt, ob man 7 oder 12 sieht….. 

Die Apostel

Neben den Aposteln hat es noch weitere imposante Felsformationen.
Loch Ard Gorge ist eine Höhle in der sich zwei überlebende junge Leute begegneten, nachdem das Schiff Loch Ard gesunken und alle anderen Passagiere ertrunken waren. Dieser Küstenteil wird auch Shipwreck Coast genannt, da hier bereits mehr als 80 Schiffe gesunken sind.

zwei verschiedene Ansichten bei hohem Wellengang



London Bridge war ursprünglich eine Felsplattform mit einem Doppelbogen und verbunden mit dem Festland. Im Januar 1990 kollabierte die Brücke und hinterliess zwei verängstigte Touristen gestrandet auf der eben entstandenen Insel. Sie wurden per Helikopter evakuiert.



The Grotto ist eine höhlenähnliche Formation wo bei starkem Meergang die Wellen heftig am Höhlensystem arbeiten



Die GOR ist ein touristischer Magnet und wird gemäss einer Studie jährlich von 6.5 bis 7.5 Millionen Menschen besucht. Wir waren in diesem Jahr 2 davon!

Sonntag, 1. März 2015

Australiens Ikone N°6

Nachdem ich unter der Rubrik Ikonen der Tier- und Modewelt sowie dem Essen Beiträge gewidmet habe, folgt nun etwas aus dem Architekturbereich, ein Unesco Welterbe seit 2007!
Es ist zwar bereits 2 Monate her, dass wir in Sydney waren, (die einen erinnern sich vielleicht an Olivers Blog über den Sylvester) aber die Verspätung dieses Eintrags ist vernachlässigbar, verglichen mit der Projektplanung meiner Ikone N°6 - dem Sydney Opera House.


Kaum jemand, der das orchestrierte Bild der eindrücklichen, sorgfältig aneinander konstruierten „Schalen“, auf der Spitze einer Halbinsel und auf einem monumentalen Podium sitzend, im Sonnenlicht schimmernd und im Hintergrund das stahlblaue Meerwasser des Hafens von Sydney, nicht kennt.


Bennelong Point, wo heute das Opernhaus auf einer Fläche von 1.8 Hektaren steht, hat eine Vergangenheit als Strassenbahnreparaturzentrum und als industrielles Brachland, nachdem der öffentliche Personenverkehr in Sydney das Rennen gegen den Autoverkehr verlor. Der Standort wurde vom Direktor des nationalen Musikkonservatoriums vom Staat New South Wales propagiert, der sich bereits 1940 für ein grösseres Opernhaus stark machte, da die Stadthalle aus allen Nähten platzte. 1954 erreichte er die nötige Unterstützung der Politik durch den Premierminister vom Staat, und ein Jahr später wurde der Design-Wettbewerb für ein Opernhaus mit zwei Hallen, für 3000 resp. 12000 Zuschauer, international ausgeschrieben. Interessanterweise gab es weder Design- noch Kostenvorgaben. 233 Eingaben, aus 32 verschiedenen Ländern folgten. Die Jury entschied sich für die Eingabe vom Dänen Jörn Utzon, obwohl diese nicht ganz regelkonform war. War die Skizze doch sehr spartanisch, aber sie erschien dem Komitee als einzigartig, prunkvoll und visionär.


Der Spatenstich war heute vor 56 Jahren und der Bau hätte im Januar 1963 fertig gestellt sein sollen, zu den Kosten von rund 7 Millionen AU$. Die Eröffnung durch Königin Elizabeth II war 10 Jahre später, die ursprünglichen Baukosten wurden um das 14fache übertroffen, und der Bau konnte nur dank einer extra dafür ins Leben gerufenen Lotterie, fertig gestellt werden. Das Werk geniesst aber bis zum heutigen Tag in seiner Einzigartigkeit internationale Bekanntheit und war ein wegweisender Bau fürs 20. Jahrhundert, wegen seiner Kreativität und insbesondere dem strukturellen Design.

Der Bau des 160’000 Tonnen schweren Monuments erfolgte in 3 Phasen

1) Podium 1959 - 1963
Obwohl die Pläne des ganzen Gebäudes noch nicht fertig gestellt waren, wurde Utzon gedrängt zum Baubeginn, mit fatalen Folgen. Zum Beispiel, waren die Podiumssäulen zu schwach um die Dachstruktur zu tragen und mussten neu gebaut werden.

2) Dach 1963 - 1967
Bei der Projekteingabe war die Geometrie der Schalen nicht genauer spezifiziert. Es kostete das Team um Ove Arup 6 Jahre und 12 Anläufe, um die gewünschte Schalenform ökonomisch zu bauen. Mit Lochkarten gesteuerte Computer brauchten 18 Monate, um die Krümmungen und die Statik der Schalen zu berechnen. Das Design des Daches wurde in massstäblichen Modellen in Windkanälen getestet, um die Drücke zu eruieren, welchen die Konstruktion ausgesetzt sein würde. Das Dach wurde schlussendlich über 2400 vorgefertigte Schäfte und 4000 Dachpaneelen mit 1’100’000 glasierten, weissen Keramikfliesen vor Ort aufgebaut.

3) Innenausbau 1967 - 1973
Diese Phase wurde noch von Utzon begonnen, aber die steigenden Baukosten, nicht einhalten der Kosten und auch abweichende Ideen mit der neuen, konservativen Regierung, führten zum Zerwürfnis zwischen den beiden Parteien mit dem Resultat, dass Utzon 1966 seine Baustelle und Australien verliess und nie wieder zurück kehrte. Der Bau wurde fertig gestellt durch ein Team junger australischer Architekten, insbesondere Peter Hall, zusammen mit den bisherigen federführenden Bauherren neben Utzon.

 Eine der zahlreichen Schalen - aussen

Struktur der Dachfliesen

Struktur der Schalen - innen

 Joan Sutherland Theater - 1507 Sitzplätze

Foyer des Joan Sutherland Theaters. Stahlstruktur mit dem sogenannten Glasvorhang


Grosse Konzerthalle - 2679 Sitzplätze

Holzkonstruktion - innen

Wir haben im Opernhaus nicht nur eine Führung und die Aussichtsterrasse genossen, sondern auch ein Konzert von ausgewählten Opernstücken gehört im Joan Sutherland Theater, dessen Akustik nicht ganz so überzeugend war wie im Opernhaus Zürich oder KKL. Ebenso war es eine Touristenveranstaltung (natürlich gehören wir auch zu dieser Kategorie), wo der Dresscode legère gehalten wurde und auch keinerlei Vorbereitung oder Vorwissen bezüglich Opern vorausgesetzt wurde. Dafür gab es einen kompetenten und witzigen Moderator, der jegliche Berührungsängste wegfegte. Da sind die Aussies recht pragmatisch.



Samstag, 21. Februar 2015

Engel der Lüfte

Wie gewährleistet ein so riesiges Land wie Australien (7.7 Mio Quadratkilometer - 186mal so gross wie die Schweiz) eine medizinische Notversorgung? Eine Frage, die ich mir auch schon gestellt hatte. Eher zufällig lernten wir den Royal Flying Doctor Service - kurz RFDS - ,welcher einen Grossteil dieses Notfalldienstes übernimmt, genauer kennen im Stützpunkt in Dubbo im Staat New South Wales.

Geschichtstafel und Hangar

Es ist keine staatliche, sondern eine gemeinnützige Organisation und operiert, ähnlich wie die Paraplegikerstiftung in der Schweiz, mit Spendengeldern.

Die Geschichte geht ins frühe zwanzigste Jahrhundert zurück und basiert auf dem Traum des Pfarrers John Flynn, eine angemessene medizinische Versorgung der Leute im Outback zu gewährleisten. 

John Flynn (1880 - 1951) ist auf der australischen 20er Note abgebildet, sowie Indizien zu seinem Lebenswerk

Flynn lebte fast sein ganzes Erwachsenenleben im Outback, gründete Hostels und Buschspitäler für Missionare, Minen- und Strassenarbeiter, sowie andere Siedler. Er musste mitansehen, mit was für Problemen diese Pioniere kämpften. Ein Gebiet von beinahe 2 Millionen Quadratkilometern z.T. unerschlossenem Gelände, wurde von zwei Ärzten betreut. 1912 rief er die Australian Inland Mission ins Leben, um den Leuten im Outback spirituelle, soziale und medizinische Unterstützung zu geben.
1917 bekam er einen Brief von einem jungen australischen Medizinstudenten (Clifford Peel), der im ersten Weltkrieg als Fliegersoldat diente. In diesem Brief eröffnete er Flynn die Idee, Flugzeuge einzusetzen für die medizinische Versorgung des Outbacks. Peel sollte nie erfahren wie nachhaltig diese Idee Flynn inspirierte und was daraus wurde, da er in Frankreich im Dienste fürs Vaterland ums Leben kam.
Die folgenden 10 Jahre kämpfte Flynn für einen Aerial Medical Service. Dank einer grosszügigen Spende eines Freundes und der Begegnung mit einem Gründer von Quantas (Queensland and Northern Territory Aerial Service), startete 1928 in Cloncurry (Queensland) die "Victory", ein einmotoriger De Havilland Doppeldecker, mit dem aller ersten Flying doctor an Bord, Dr. Kenyon St Vincent Welch. Das Flugzeug bot Platz für einen Piloten (offenes Cockpit und voll dem Wetter ausgesetzt) und 4 Passagiere und hatte eine Reichweite von 850-1000km. Die Navigation erfolgte ausschliesslich über Kompass und anhand von Orientierungspunkten wie Flussbete, Zäune, Telegraphenleitungen oder Reifenspuren. Auch die Landepisten waren oft improvisiert. Trotzdem absolvierte der Aerial Medical Service im ersten Jahr 50 Flüge an 26 verschiedene Orte und behandelte 225 Patienten. Flynns Traum war Wirklichkeit!

Was nun noch fehlte, war die Kommunikationstechnologie, um den Service des RFDS effizient nutzen zu können. Alfred Träger leistete Pionierarbeit in der Entwicklung eines pedalangetriebenen Generators für die Stromversorgung eines leicht bedienbaren und vom Leitungsnetz unabhängigen Funkgerätes, wodurch auch entlegene Orte oder Farmen über eine Entfernung von 500 km mit dem RFDS Kontakt aufnehmen konnten. Der Vorteil war, dass eine einzelne Person Strom erzeugen konnte mit treten und seine Hände frei waren um das Funkgerät zu bedienen. 

So muss man sich den Betrieb des pedal radios vorstellen

Der pedalbetriebene Generator, ausgestellt in Dubbo

1931, vier Jahre nach der Erstauflage dieses pedal radios, entwickelte Träger eine Tastatur, welche das normale Alphabet ins Morsealphabet übersetzte, somit war die Kenntnis dessen nicht mehr nötig.

Später wurde das RFDS Kommunikationsnetz modernisiert und ausgebaut und ab 1951 auch für die school of the air (gegründet in Alice Springs) genutzt, welche Schulkindern in abgelegenen Orten eine Interaktion mit anderen Schülern ermöglichte und sie Ihren Lehrern Fragen stellen konnten.

Etwa zu selben Zeit, hat eine Krankenschwester, Lucy Garlick, ein Mittel entworfen, um telefonische Konsultationen möglich zu machen. Dazu hat sie den menschlichen Körper in Sektoren unterteilt und diese nummeriert. 

Lucy Garlicks Schema

Leute im Outback bekamen zu diesem Schema auch einen Medikamentenkasten mit nummerierten "Gütterli". So konnten sie dem Doktor am Telefon sagen, dass es sie schmerzt im Bereich 7 und der konnte Gegenfragen stellen und schlussendlich sagen, welches Medikament eingenommen werden sollte. Darunter gab es Medikamente, welche ausschliesslich von einem Doktor verabreicht werden durften.

Medikamentenkasten früher, ausgestellt im Stützpunkt Dubbo

Medikamentenkasten heute

Ab 1960 kaufte der RFDS seine eigenen Flugzeuge und konnte sie so umbauen, dass Intensivmedizin im Flugzeug möglich wurde. Ab sofort wurden auch Patiententransporte für Spitäler übernommen.

Organisation
Heute besteht der Royal Flying Doctor Service aus 7 Einheiten, die wiederum mehrere Stützpunkte haben (total 21 in Australien). Jede Einheit hat ein eigenes Management.
Zwei Räte jeder Einheit plus 6 gewählte, unabhängige Mitglieder bilden das Vereinsgremiums. Die Einheiten operieren unabhängig, sowohl finanziell wie auch operationell. Einige werden vom jeweiligen Staat finanziell unterstützt, aber das meiste Geld wird über Spenden-gelder und -aktionen generiert. 

Zahlen
Der RFDS hat heute 61 Flugzeuge im Einsatz und beschäftigt 1150 Angestellte. Täglich 

  • werden rund 73’000km in der Luft und 203 Landungen absolviert
  • erfolgen 750 Patientenkontakte
  • werden 112 Patienten transportiert
  • werden 243 Patienten telefonisch beraten in Notsituationen

Stützpunkt Dubbo
Diesen Stützpunkt, welcher zur Einheit South Eastern Section gehört, haben wir besucht und sind dabei von zwei sehr netten und redseligen Damen empfangen worden, die uns nicht nur die Organisation vorstellten, sondern auch ein Flugzeug, welches zu Ausbildungszwecken gebraucht wurde, besteigen liessen. Bemerkenswert ist, dass die Damen (wie auch die Kollegen in anderen Stützpunkten), als Voluntäre diese Öffentlichkeitsarbeit machen. Der minimale Eintrittspreis ($3 pro Person, entspricht ca. CHF 2.80) kommt der Stiftung zu.

Das Übungsflugzeug, das den Besuchern zugänglich gemacht wird



Geplant war ein kurzer Besuch dieser Basis, aber wir konnten uns auch nach 2 Stunden kaum „losreissen“.




Dienstag, 27. Januar 2015

Australiens Ikone N°5

Ab sofort führe ich die Rubrik der australischen Ikonen weiter. Im Jahre 2010 habe ich folgenden Ikonen einen Blogeintrag gewidmet
  • Koala
  • Vegemite
  • Blundstone
  • Känguruh

Ab und zu wird an diesem Ort nun wieder eine Ikone auftauchen, denn es gibt noch einige…..

Für einmal verrate ich erst am Schluss über welche Ikone ich schreibe. Heiteres Ikoneraten beginnt also jetzt.

Ich bin ein Säugetier mit einer Kloake (d.h. nur einer Körperöffnung für meine Fortpflanzung und die Entsorgung von nicht verdaubarem Material). Ich lege Eier und bin ausschliesslich in Australien Zuhause, im Bereich der Ost- und Südostküste, sowie in Tasmanien. Das macht mich zu einem ziemlich exklusiven Geschöpf. Ich gehöre zur bilogischen Ordnung der Kloakentiere (Monotremata), dessen Gruppe nur noch ein anderes Tier in Australien angehört - das Echidna.
Hast Du schon eine Ahnung wer ich bin?

Das Echidna oder zu Deutsch auch Ameisenigel. Diese spürt er auf mit seiner langen Nase

Ich habe ein Fell und lebe sowohl im Süsswasser wie auch an Land in einem unterirdischen Bau, wo ich meine Eier in ein Nest lege (1-3 pro Saison) und während 10-12 Tagen ausbrüte. Mein Nachwuchs ernährt sich vom Eigelb in diesen Eiern und kommt nackt, blind und unterentwickelt zur Welt. Ich sorge für sie mit meiner Muttermilch aus dem Milchdrüsenfeld an meinem Bauch. Zitzen habe ich nämlich keine. Nach 6 Wochen sind die Sprösslinge behaart und reif für den ersten Ausflug aus der Höhle.
Mein Fell hat eine innere isolierende Schicht und eine äussere wasserabstossende, ölige Schicht, die sich ständig erneuert. Mein dicker, padelartiger Schwanz, stellt meine Fettreserve dar und ich benutze ihn als Ruder für mein Leben im Wasser. Auch meine beiden Hinterbeine sind zum steuern und bremsen. Die Vorderbeine jedoch sind stärker und sind mein Antrieb im Wasser. Meine vier Füsse haben Schwimmhäute, die jedoch flexibel sind und sich beim Gehen oder Graben "wegfalten". Mein brauner Körper gleicht demjenigen eines Otters. Ich bin rund 40-60cm lang und wiege zwischen 1-3kg. Beim Schwimmen halte ich Ohren und Augen geschlossen. Ich atme Luft und komme hierzu an die Oberfläche (meine Nasenlöcher sitzen auf dem Oberschnabel), kann dann aber bis zu 5 Minuten unter Wasser bleiben.

Mein typischer Lebensraum

Mein Skelett

Mein entenähnlicher Schnabel ist einzigartig und macht mich zu diesem speziellen und schützenswerten Tier. Er verleiht mir einen siebten Sinn, wie Harry Burrell (geb. 1873 in Sydney) in seinen jahrelangen Beobachtungen in seinem eigenen Zoo und Habitat mit Artgenossen von mir, bereits um 1900 herausgefunden hat. 1980 erst wurde wissenschaftlich bestätigt, dass ich in meinem Schnabel spezielle Elektro- und Mechanorezeptoren habe, welche kleinste elektrische Ströme und Druckwellen feststellen resp. messen können, die von meiner Beute (Wirbellose, Frösche, Fische) ausgesendet werden. Diese kann ich übrigens in speziellen Backentaschen zwischenlagern, bis ich sie an Land verspeise.
Noch eine spezielle Eigenheit für ein Säugetier. Meine männlichen Artgenossen sind giftig. Sie haben Giftsporne an den Hinterbeinen. Das Gift wird in Drüsen in meinem Hinterleib produziert, jedoch nur zur Paarungszeit. 
Wer mich auch jetzt immer noch nicht erkennt, erlöse ich - ich bin das Schnabeltier, der Platypus!



Da Platypus scheue und nachtaktive Tiere sind, ist es sehr schwierig sie zu beobachten. Wir hatten es schon mehrfach versucht in Flüssen, insbesondere in Tasamanien 2011, jedoch immer ohne Erfolg.
Im Januar 2015, in Bombala hatten wir aber das Vergnügen, sie in der Abend- und Morgendämmerung im Fluss direkt neben dem Zeltplatz zu beobachten. Das Fotografieren war eine ziemliche Herausforderung, aber das „Finden“ nicht, sobald wir wussten, auf was wir achten müssen. „Sie sehen aus wie ein Stück Schwemmholz“, meinte der lokale Campingwart - und er hatte recht!

Platypus auf Beutesuche

Wenn das Tier ins Wasser taucht, streckt es den Hintern in die Luft und der Schnabel geht voraus - leider ist uns davon kein Schnappschuss gelungen, der Platypus war zu flink




Montag, 12. Januar 2015

Coming home - Teil 3

Unsere Wohnung in Bern gibt es nicht mehr seit Ende Oktober und somit sind wir de facto obdachlos - gottlob nicht ganz. Wir haben etwas anderes,  das wir nun Unser Zuhause nennen. Das mobile Zuhause trägt den Namen Kasbah und wurde geboren im Jahre 2009 (getauft wurde er allerdings erst im Jahre 2010, in Australien).  

 Kasbah stellt sich vor

Schlaf- und 

Wohnzimmer

Ein typisches Nachtlager in Australien

Kasbah hat viele Geschwister, ist aber in seiner Ausführung und seinem Namen einzigartig. Dazu hat ihn Oliver gemacht, in unzähligen Stunden des Planens, Denkens und Handelns. 

Oli im Element - am Basteln

Der Wolf im Schafspelz bietet uns erstaunlichen Komfort, gemessen an der Ausrüstung von Tourenvelofahrern (was wir lange Zeit waren und z.T. immer noch sind), aber auch nicht so viel Luxus wie andere Fahrzeuge des Typs Campervan
Auf technische Details verzichte ich hier absichtlich, Interessierte können diese nachlesen auf Kasbahs Website oder seinem Blog.

Die Grösse unseres neuen Zuhauses wurde definiert über die Anforderung, dass wir an einem Regentag wie heute, komfortabel an einem Tisch, mit einem richtigen Stuhl sitzen und der andere gleichzeitig auf dem Bett lesen oder schlafen kann. Zudem musste unser Kasbah Platz für zwei richtige Fahrräder bieten, die nicht irgendwo angehängt werden sollten am Auto, da wir ja gute Räder fahren möchten, die auf offenen Strassen nicht sandig oder schmutzig oder gar noch gestohlen werden sollten. Also musste eine Garage her. Diese ist nur von einer Fahrzeugseite zugänglich, darum hat Oliver in einem zweiten Anlauf eine Veloschublade gebaut, die nun neben den beiden Fahrrädern auch noch das ganze Zubehör wie Helme, Schuhe, Taschen und Werkzeug beherbergt. 

Veloschublade

Der restliche Platz in dieser Zaubergarage ist fein säuberlich ausgenutzt für ein Zelt, ein Faltboot, eine Dieselheizung, faltbare Wasserkanister, eine zweite Batterie, den Cobb (unser Campingofen - ich verweise auf meinen Blogeintrag), Brennstoff und alle erdenklichen Ersatzteile, Schmierfette und Klebstoffe fürs Auto. 

Einiges ist sofort griffbereit wie z.B. Schäkel, anderes in den Plastikboxen einfach zugänglich durch das Band, welches an der hintersten Box angemacht ist.

Dies also der Grund, wieso wir nicht mit einem Landrover Defender unterwegs sind. Falls dieser die Platzanforderungen erfüllt hätte, wäre das wohl das Fahrzeug erster Wahl gewesen, weil sie einfach cool und sehr dauerhaft sind. Ein Argentinier hatte mal treffend geantwortet auf die Frage, wieso er in seiner Flotte für Touristenausflüge in die Steinwüste nur Defenders hat; weil es die Besten sind!

Neben der Garage haben wir eine Aussenküche, was für diesen Typ Fahrzeug eher ungewöhnlich ist, aber wir mögen die Kochgerüche weder im Wohn- noch im Schlafzimmer. Zudem macht das Kochen draussen Spass. Gibt es doch die Möglichkeit, die Natur und die Tierwelt zu bestaunen.
Für garstiges Wetter haben wir einen Schutz genäht, der uns erlaubt, einigermassen trocken und windgeschützt zu kochen. 


Auch das Reserverad sitzt in der Küche, was gewöhnungsbedürftig ist, aber auch da haben wir ein „Mänteli“ genäht, was etwas hygienischer ist und uns vom Gummigeruch verschont…..

Küche mit Reserverad, 2 Kochern, Brauch- und Trinkwassertank, Geschirr, Tisch und Vorräten

Wenn wir schon bei der Hygiene sind: Kasbah bietet auch eine Dusche, die zusammen gefaltet in einer Schublade liegt. Bei Bedarf ist sie in 3 Minuten aufgebaut und der isolierte Tank, reingepasst im Chassis, bietet warmes Wasser, meist aufgeheizt mit Sonnenenergie. Den Druck, um das Wasser in die Brause zu pumpen, gewinnen wir aus dem Reserverad. Das ist noch nicht 100% ausgereift, aber es funktioniert und hat uns schon manch unvergleichliches Sauberkeitsgefühl beschert. 

Die faltbare Dusche

Weisch wie schön, e warmi Dusche nachere lange Velofahrt

Duscherlebnis erste Generation - das war 2010

Für die Not gibt es auch noch eine Toilette, die wir weg packen. In Australien gibt es aber einigermassen überall Toiletten, die meist auch noch sehr sauber sind. Auf den vielen einfachen Campgrounds in den Nationalparks und im Bush, hat es eigentlich immer nur das eine - ein Plumpsklo.

Mittlerweile ist unser Zuhause recht ausgefeilt und da uns das sehr geländegängige Fahrzeug überall hin bringt, ist es unser Traumhaus! Wir freuen uns auf viele Campingerlebnisse und herausfordernde Routen mit Kasbah.



Dieses Dach schützt uns vor Sonne und Regen

Eines meiner liebsten Teile - ein Aussentank für dreckige Hände