Freitag, 7. Januar 2011

Australischer Wein

Er ist wohl über den australischen Kontinent hinaus bekannt und beliebt - der australische Wein! Wir haben hier auf der südlichen Hemisphäre unseren Weinkonsum mindestens verdoppelt und es freut mich sehr, dass Oliver immer gerne ein Glas mittrinkt, was bestimmt mit der guten Qualität der hiesigen Produkte zusammen hängt.


Bei unserer Reise durch South Australia (was ein Staat und nicht Südaustralien generell ist) nutzten wir die Gelegenheit, ein paar Weingüter zu besuchen. Dies zuerst in McLaren Vale, wo wir uns an einem wunderschönen Sonntag bei Coriole verwöhnen liessen mit einem ausgezeichneten Lunch mit ausschliesslich lokalen Produkten.

Zu unserer Verteidigung - wir teilten uns diese Portion....

So ähnlich sieht es in jeder cellar door (Degustationen und Verkauf an Private) aus

Die Weingüter sind z.T. sehr schön gelegen, teils mit Aussicht und gepflegtem Garten oder aber mit Zugang zu den Weinkellern



Weniger bekannt und auch kleiner als das Barossa Valley ist das Clare Valley. Mittlerweile auch kein Geheimtip mehr, aber es bietet den Touristen den einzigartigen Riesling Trail. Riesling ist die bekannteste und erfolgreichste Traubensorte in diesem Tal und macht heute einen Drittel des produzierten Weins aus. Das war nicht immer so. Seit 1950 wird er in signifikanten Mengen angebaut und erst in den 80er Jahren wurde er erfolgreich. Die ersten Weinstöcke jedoch wurden bereits 1842 gepflanzt und bis mitte des 19.Jahrhunderts waren dies hauptsächlich Cabernet Sauvignon, Shiraz und Malbec (ja genau, die argentinische Traube).


 Die Region war reich an Kupfererz, das nicht vor Ort verarbeitet und somit mit einer Schmalspur Eisenbahn transportiert wurde, welche durchs Clare Valley führte. Diese Zuglinie wurde in den 1990er Jahren zu einem 34km langen Wander- und Veloweg umgebaut und die Bemerkung erübrigt sich wohl, dass die Steigungen moderat sind.

Trotzdem wurden wir immer wieder vor fürchterlich gefährlichen Abfahrten gewarnt,

die wir kaum wahrnahmen. Auch abgesehen von diesen Schussfahrten wars recht waghalsig diesen Trail zu befahren.

alles ohne Probleme gemeistert von Oliver

Wir radelten also am vergangenen Sonntag bei herrlichstem Sommerwetter entlang von Reben, Weindeland und Kornfeldern, besuchten 3 cellar doors und füllten unsere mitgeführten Velotaschen.

Sevenhill ist das älteste und traditionellste Weingut, von Mönchen gegründet, die ihren Messwein selbst produzierten, was sie übrigens heute z.T. noch tun. Daneben gibts eine grosse Auswahl von hervorragenden Weinen für Nichtgeistliche.

Der schöne alte Weinkeller ist mehr Ausstellung als der eigentliche Lagerort, aber trotzdem schön zu sehen

Mitten im Weingut die Kirche oder umgekehrt

Damit war unsere Weinreise noch nicht beendet. Ein spezieller Ort folgte einen Tag später, aber darüber werde ich in meinem nächsten Beitrag schreiben. Wir bleiben also noch ein wenig beim Thema.

Zum Schluss noch ein paar Eindrücke vom Riesling Trail, der uns einen wunderbaren Jahresanfang bescherte.




Allne vo Härze es Guets Neus!

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Weihnachten

Für all diejenigen welche nicht regelmässige Leser von Olivers Blog sind, hier der Link zu seinem Eintrag vom 25.12., der Euch verrät, wo wir Weihnachten verbracht haben.
Viel romantischer und stimmiger kanns nicht mehr werden!

Noch ein aktuelles Bild vom Camping gestern Nacht.
Auch nicht zu verachten und erst noch ohne Nachbarn.


Nachträglich wünsche ich allen frohe Weihnachten und viel Freude am Schnee.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Wolf im Schafspelz

Australien ist ein riesiges Land mit unheimlich vielen Kulturen und dadurch auch kunterbunten Leuten. In diesem Blog möchte ich Euch einen solch kunterbunten Charakter vorstellen.


Dieser Toyota Hyace sieht unspektakulär aus und erweckt kein grösseres Aufsehen auf einem Campingplatz. Auch nicht, wenn ein Boot im Schlepptau nachgezogen wird (das aussieht wie ein Fischerboot, aber einen Rennmotor hat der keiner sieht) und noch ein Velo drauf gepackt wird.

Beim näheren Hinsehen fällt auf, dass der Innenraum fürs Wohnen eher knapp bemessen ist und ein längeres Gespräch mit Sven, dem Besitzer des Fahrzeuges, hat sein Hobby (oder seinen Beruf?) ans Licht gebracht.


Er fährt mit seiner mobilen Bierbrauerei in Australien von Ort zu Ort, da er sein Zuhause in Sydney bereits vor längerer Zeit aufgegeben hat. Der Bus ist sein Haus und seine Brauerei. Insgesamt hat er durchschnittlich 90 Liter Bier an Bord und davon trinkt er fleissig - täglich 3 Flaschen à 1.25 Liter. Trotzdem zeichnet sich dies noch nicht in einem Bierbauch ab, vermutlich weil seine Ernährung, abgesehen vom Bier, doch recht simpel und mager ist. Damit er möglichst wenig Geschirr zum Abwaschen generiert, wärmt er Gemüse in der Büchse und isst es auch daraus. Wenn immer eine Aktion im Supermarkt von Interesse ist, schlägt er zu. Bei unserem Treffen war gerade eine Familienpackung Donuts aktuell, die innerhalb von 2 Tagen gegessen werden musste. Kein Problem für Sven, damit ist der Menüplan bis auf weiteres gesetzt und er scheut sich auch nicht, mit allen zu teilen, obwohl er definitiv nicht auf Rosen gebettet ist.

Nun zu seiner Passion, dem Bierbrauen.
Er kauft sich ein Selbstbrau-Bierkit (Home Brew Kit), das sogar im Supermarkt erhätlich ist. Es enthält einen Topf mit Malzextrakt und Hopfen, ein Brieflein mit Hefe und eine Anleitung zum Bierbrauen. Das Ganze ist bei Woolworth (siehe mein Blog) zu haben für CHF 60.- oder aber in einer besseren Klasse von Coopers für CHF 90.-
Die Wanderleute unter Euch werden wissen, dass früher Wander genau ein solches Home Brew Kit hergestellt und verkauft hat.

Sven löst den Malzextrakt zusammen mit Zucker in 2 Liter kochendem Wasser, giesst es in seinen Fermenter (im Bus sitzend als isolierte Box mit rund 30Liter Fassungsvermögen) und füllt auf mit kaltem Wasser. In der ersten Phase wird mit Hilfe der Hefe bei einer konstanten Temperatur von 23°C, der Zucker in der Würze (der mit Wasser gemischte Malzextrakt) zu Alkohol umgebaut. 60-70% des Malzzuckers wird dabei umgebaut. Das entstehende Kohlendioxid tritt durch ein eingebautes Röhrchen kontinuierlich aus dem Tank.
Nach 6 Tagen füllt er dieses "Jungbier" in Flaschen ab und lässt es verschlossen reifen. Dabei wird der restliche Zucker in Alkohol umgebaut und das Kohlendioxid das nicht mehr entweichen kann durch die geschlossene Flasche, wird als Kohlensäure im Bier gebunden, was eine pH-Senkung zur Folge hat. Bei diesem Prozess entstehen auch Trübbestandteile, die dann Sven durch Filtration in andere Flaschen eliminiert.
Dieses Bier lagert er für eine weitere Woche, bevor er es konsumiert oder verschenkt. Diese Lagerung bewerkstelligt er in Styroporboxen. Damit sein Fermenter immer richtig funktionert und seine Filtration standardisiert ist, braucht er Strom, den er mit Sonnenkollektoren produziert und für den worst case hat er auch 3 Autobatterien......
Nebst der Brauerei muss er auch noch Strom für 2 Fernseher (einen kleinen für Tage mit spärlich Sonne und einen grossen für DVDs an sonnigen Tagen) und eine Mikrowelle generieren.

Wir waren wirklich sehr beeindruckt von seiner Brauerei und seinem Lebensstil.
What a character!

 Sven und sein Toyota - Wolf im Schafspelz - indeed

Montag, 6. Dezember 2010

Handrolls

Dies wird für längere Zeit der letzte Blogeintrag mit einem städtischen Thema sein, da wir ja nun bereits reisend unterwegs sind in vorwiegend ländlichen Regionen.

Ein sehr beliebtes Mittagessen oder auch ein Snack sind die Sushi Handrolls, die in jeder Food Hall (Verpflegungsecke mit Teken von McDonalds, Subway Sandwich, KFC oder wie sie alle heissen, in einem Shoppingkomplex), in kleinen Strassen Take aways und auch in Supermärkten zu finden sind. Sie werden ausschliesslich von Asiaten verkauft und sind für CHF 2.20 – 2.80 pro Stück zu haben.

Ausgehändigt werden sie in einer Plastikbox (natürlich gibt es verschiedene, in der Grösse angepasste Boxen für 1,2,3 oder 4 Rollen), die z.T. noch verziert sind (siehe Bild). Dazu wird Soyasauce in einem "Plastikfischli" und Wasabi in einem Plastikbeutel gereicht. Das "Plastikfischli" mag bei cineophilen Lesern eine Erinnerung wecken. Im Film Little Fish (2005) von Rowan Woods mit Cate Blanchett in der Hauptrolle, wurden in genau diesen Fischli Drogen gehandelt. Da dies ein australischer Film ist, verwundert dies nicht weiter. Wir hatten das Aha-Erlebnis schon bald nach unserer Ankunft in Oz.



Das Innenleben der Sushi Handroll ist sehr verschieden. Gemüse, Lachs (roh oder geräucht), Thon oder Teriaki, um nur die wichtigsten zu nennen. Alle sind umgeben von einer Lage Klebreis und satt eingerollt in ein Noriblatt (Meeresgras). Diese werden entweder von Hand gerollt mit Hilfe eines “Gummiblätzlis” (ähnlich wie beim Tabak rollen) oder aber maschinell hergestellt. Diese kompakte Rolle kann ganz einfach von Hand gegessen werden.

Modell Thunfisch

Jeder Shop hat eine etwas andere Würzung. Die einen applizieren eine Lage Wasabi zwischen dem Innenleben und dem Reis, andere verwenden eine sehr sämige Masse, noch andere würzen gar nicht und reichen mehr Zutaten dazu.

 Isch also no rächt guet. Letzter Lunch in einem Park im CBD (Central Business District in Melbourne)

Sonntag, 7. November 2010

Melbourne Cup

Als The race that stops a nation (das Rennen, welches eine ganze Nation zum Stillstand bringt) wird dieses internationale Vollblüter Pferderennen betitelt, das seit 1861 ausgetragen wird. Es wird am ersten Dienstag im November auf dem Flemington Racecourse abgehalten und ist ein offizieller Ferientag in Melbourne. Am letzten Dienstag fand die 150igste Austragung statt und wir waren dabei!

VIPs können das Geschehen "am Schärme" beobachten

 Unsere Sicht auf die Sitzplätze

Wir reihten uns bei der Holzklasse ein, was zeitweise sehr nass war und etwas Kreativität forderte oder aber Spuren hinterliess




Wie man sieht, hat aber das wechselhafte und kühle Wetter die Stimmung keineswegs getrübt. 20 Minuten vor dem Start des wichtigsten und mit sechs Millionen Preisgeld das höchst dotierte Rennen der Welt über 3200m, setzte der Regen ein und liess exakt um 15Uhr etwas nach, sodass alle Zuschauer mit Stehplatz ohne Widerrede ihre Schirme wieder schlossen, um die Sicht frei zu geben. Der eigentliche Blick auf die mit 55-60 km/h vorbei rasenden, athletischen Pferde mit ihren zierlichen Jockeys ist von Sekundendauer, aber gottlob wird fleissig auf Grossleinwände projiziert.




Das Interesse an diesen Rennen wird intensiviert durch eine fiebrige Wettkultur. Jeder hält sein Kleingeld bereit und setzt auf seine Favoriten. An der letztjährigen Austragung wurden 39.6 Millionen an Wettgeldern eingesetzt. Ich konnte leider nicht herausfinden, ob die Vorhersage sich bestätigt hat, dass dies 2010 überboten würde.


Auf dem Festgelände gibt es mehre Möglichkeiten auf den Favoriten zu setzen, die meisten Einnahmen werden aber online erzielt, da auch viele Leute in New South Wales und South Australia mitwetten und mitfiebern, zum Teil verkleidet auf öffentlichen Plätzen in ihren Wohnorten.

Mindestens so wichtig wie der sportliche Aspekt dieses Rennens ist das Drumherum und ganz besonders die Mode. Eines der grossen Warenhäuser veranstaltet mehrere Modeschauen im Areal mit ansprechenden Preisen. Das sah dann etwa so aus


mehr Fotos unter diesem Link

Die Kopfbedeckung ist ein wichtiges Accessoire und auch dafür wird eine Menge Geld ausgegeben - nicht nur auf der Bühne der Modeschau.
Entweder werden Hüte, am liebsten breitrandig oder aber sehr kreative fascinators getragen und dies ist ein "Muss" für alle Damen. Ich habe meinen beim Trödler für 10 Franken erstanden und bin damit weder positiv noch negativ aufgefallen....





Schliesslich möchte ich noch erwähnen, dass der Melbourne Cup nur ein Tag im Melbourne Cup Carnival ist, der am 30.10 angefangen und heute beendet wurde, zugegebenermassen der wichtigste, aber nichts desto trotz gibt es Leute, die durchfeiern und zu jedem Anlass etwas neues zum Anziehen besorgen.

Am 30.10. war Derby Day, wo die Damen vorwiegend schwarz und weiss tragen
Am 02.11. war Melbourne Cup wie eben beschrieben, Tagesblume Gelbe Rose
Am 04.11. war Oaks Day (ladies day) wo feminine Eleganz gefeiert wird, Tagesblume Pinkfarbene Rose
Am 06.11 war Stakes Day (familiy day) ein ungezwungener Familientag mit Kindermodeschauen, Tagesblume Rote Rose
Dies die Anlässe im Flemington Racecourse, am ganzen Carnival sind aber noch andere Racecourses beteiligt, welche Gastgeber sind an den dazwischen liegenden Tagen.

Ab morgen sollte nun die Stadt wieder "normal" und somit keine schön verkleideten Leute mehr auf den Bahnhöfen und sonstigen öffentlichen Plätzen anzutreffen sein. Schade, denn es war ein sehr stilvoller Karneval.

 Skyline von Melbourne im Hintergrund





Montag, 25. Oktober 2010

Treat your sweet tooth

Nachdem ich nun seit elf Monaten in diesem Land lebe, habe ich doch einiges über Land, Leute und auch deren Essenskultur gelernt. Im Rahmen eines Projektes im Geschäft, kam ich mit einigen Süssigkeiten in Kontakt die mir bisher fremd waren. Sie sind allesamt typisch australisch und ich möchte sie Euch nicht vorenthalten. Ich präsentiere sie zusammen mit ein paar Leckereien, die seit Längerem regelmässig auf unserer Einkaufsliste stehen.
Leider werde ich keines der sweets selbst herstellen. Wem also die Bilder nicht genügen, der muss die lange Reise wohl oder übel auf sich nehmen....



Honeycomb heisst Bienen- oder Honigwabe, worauf der goldgelbe Hintergrund der Verpackung schliessen lässt. Beim Geschmack wird es schon schwieriger. Da ist aus meiner Sicht die Schokolade dominierend, Honig kann ich fast keinen ausmachen, dafür etwas Sablé-Geschmack und Caramel. Das Bisserlebnis jedoch ist wunderbar, denn das gelbe Innenleben ist knusprig und luftig leicht zugleich. Am Ehesten vielleicht vergleichbar mit der Rayon-Schokolade in der Schweiz, jedoch ohne Croquant.





Rockyroad bringt man wohl nicht in erster Linie mit Essen in Verbindung. Erklärungen für den Namen gibt es viele und von den Gefundenen finde ich keine weder einleuchtend noch lustig. Die Innovation dieses Geschmacks gelang einem Californier und wurde zuerst in Glacé eingesetzt. Rockyroad gibt es nicht nur in den USA, sondern auch in England und Australien. In jedem Kontinent ist die klassische Zusammensetzung etwas anders. Die australischen Zutaten sind Schokolade, Marshmallows, Erdnüsse und Kokosnussraspel. Tönt doch spannend und ist es auch.

Texturmässig eine hochinteressante Kreation die kaum zu beschreiben ist. Würde wohl allzu technisch tönen wenn ich loslegen würde....


Lamington ist ein Gebäck, ähnlich dem traditionellen, schweizer "Gleichschwercake" aber ohne Zitrone, jedoch mit Schokoladenüberzug und vielen Kokosstreuseln. Dieser Geschmack kann sich bestimmt jeder gut vorstellen. Ein bisschen Bounty-Erlebnis

Wie so viele Backwaren - frisch schmecken sie am besten die Lamingtons

TimTam sollten wir bei der nächsten Gelegenheit in die Schweiz importieren. Das sind leckere Guetzli basierend auf einem Waffel-, Biscuit-Sandwich mit zartschmelzender Füllung und feinem Schokoladeüberzug. Die dunkle Version ist ungeschlagen. Einmal gekauft, Variante nicht mehr gewechselt. All die anderen Sorten können gar nicht besser sein....

Ganz zu unterst auf dem Gestell (und fast ausverkauft) TimTam Honeycomb!


Und zum Schluss noch das must have an jedem Kindergeburtstag oder Halloween. Fairybread (Feenbrot) ist nicht so sehr für erwachsene Geschmacksknospen, aber hübsch aussehen tut es allemal und schnell gemacht ist es auch.
Toast, Erdnussbutter und Zuckerstreusel - done


Life in Australia is sickly sweet at times

Samstag, 9. Oktober 2010

Australiens Ikone N°4

Endlich - im doppelten Sinn.

Endlich wieder mal einen Eintrag. Mir ist nicht die Lust am, sondern die Zeit zum Bloggen abhanden gekommen, aber das wird sich jetzt wieder ändern.

Endlich kommt die Ikone die wohl die meisten als Nummer eins erwartet hätten. Dabei sei erwähnt, dass meine Nummerierung der Ikonen willkürlich ist.

Die weltbekannten, australischen Strassenschilder

Ich wollte einfach persönlich mindestens 100 Kängurus in der Wildnis gesehen haben, bis ich mich an dieses Thema wagte. Seit wir unseren Aktionsradius bis über die Grenze Victorias erweitert haben, sind die Begegnungen mit dem lustigen Beuteltier zahlreicher geworden. Leider kamen nicht mehr alle in der arttypischen, federleicht hüpfenden Manier daher.

Viele Kängurus finden ihren Tod auf der Strasse, meist in der Dämmerung

Nicht weiter verwunderlich, ist dieses Tier ein Nationales Symbol, das zum Beispiel das  Eindollar Stück ziert und von wichtigen australischen Firmen (bsp. Quantas) als Emblem verwendet wird.



Es ist, wie viele andere Tiere auch, endemisch (d.h. heisst nur in Australien und Neuguinea vorkommend). Den Namen hat das Känguru von einem Aboriginalstamm bekommen, über die Bedeutung streitet man sich noch heute. Es werden 4 Arten unterschieden
  • Red kangaroo, das grösste (bis 2m und 90kg) noch lebende Beuteltier der Welt, vorwiegend im trockenen und halb-trockenen Zentrum des Landes lebend
  • Eastern grey kangaroo, weniger bekannt aber häufiger vorkommend, insbesondere im fruchtbaren Osten
  • Western grey kangaroo, etwas kleiner und leichter (bis 54kg) und im Süden Westaustraliens und im Staat South Australia lebend
  • Antilopine kangaroo ist das im Norden lebende Äquivalent zu den Ost- und Westkängurus

Je nach Geschwindigkeitsbedürfnis wählen die Kängurus zwischen zwei Arten der Fortbewegung.
Bei höherem Tempo springen sie nur mit den Hinterbeinen, der Schwanz bleibt in der Luft und dient der Balance. Auf diese Weise können sie kurzzeitig eine Geschwindigkeit von 50 km/h erreichen. Die Sprünge sind kaum höher als 1.5m und dies wurde kürzlich einem von der Strasse flüchtenden Tier zum Verhängnis - wir sahen nur noch Fell davon fliegen.
Bei langsamer Gangart benutzen sie fünf Gliedmaßen. Während sich das Tier mit Vorderpfoten und Schwanz abstützt, schwingen die Hinterbeine langsam nach vorne; sobald diese stehen, werden Vorderpfoten und Schwanz wieder nachgeholt. Das Ganze sieht nicht nur mühsam aus, sondern kostet auch ziemlich viel Energie.
Kängurus können sich nicht rückwärts fortbewegen!


Kängurubabys kommen nach kurzer Tragzeit (20 bis 40 Tage) und relativ unterentwickelt zur Welt. Das Baby ist mit 2.0 - 2.5cm und 0.5 - 0.75g auch ein Winzling. Üblicherweise kommt nur ein einzelnes Jungtier (Joey) zur Welt. Es krabbelt nach der Geburt selbstständig vom Geburtskanal in den Beutel (kaum erklärbar wo die nötige Energie herkommt bei den erwähnten Körpermassen) und hängt sich mit dem Mund an eine Zitze, die es während der nächsten zwei bis drei Monate nicht mehr loslässt.
Nach rund einem halben Jahr verlässt das Joey erstmals den Beutel, welchem es nach 8 Monaten endgültig entwachsen ist. Bis zum Alter von einem Jahr wird gesäugt, zu diesem Zweck steckt das Joey den Kopf in den Beutel der Mutter, wo häufig bereits ein weiteres kleines Jungtier genährt wird. In solchen Fällen trinken grosses und kleines Jungtier an verschiedenen Zitzen, die auch Milch in verschiedener Zusammensetzung anbieten.


Ausser dem Menschen haben die Kängurus keine natürlichen Feinde und so werden die Populationen durch klar definierte Jagdkontigente stabil gehalten. Jährlich werden rund 3 Millionen Tiere erlegt. Wieviel bei Verkehrsunfällen um Leben kommen ist unbekannt. Die Menschen schützen Ihre "Blechbüchsen" mit riesigen Bullbars von der unsanften Begegnung. Also ein Kennzeichen der Autos im Känguruland.

Zwei Beispiele für normale bullbars

Die Ernährung der Kängurus hängt von ihrem Lebensraum ab. Allen gemeinsam ist, dass sie strikte Vegetarier sind. Gegessen wird bei Tagesanbruch oder in der Dämmerung, den Tag verbringen sie wenn immer möglich im Schatten der Bäume - wenn dann welche vorhanden sind....


Auch nach meinen hundert Begegnungen bin ich immer von Neuem fasziniert von diesem eigenartigen Tier. Es hat viele Gesichter, sieht wie ein Osterhase aus, wenn es sich hinter einem Busch versteckt, wie ein Reh wenn es relaxed im Schatten liegt, oder wie ein Känguru wenn es davon hüpft.