Montag, 19. Juli 2010

Footy - wir waren dabei (Teil 1)

Da wir am australischen Sportgeschehen wenn immer möglich teilhaben wollen, war es schon länger unser Wunsch, an einem Footygame (Australian rule football = Fussball nach australischen Regeln) live dabei zu sein. Dies wollten wir aber nur unter kundiger Führung tun, um dem Spielverlauf auch folgen zu können, denn die Regeln, respektive das Punkte zählen, sind auf den ersten Blick schon eher eigenartig.

Der Schlüssel zur Entzifferung folgt dann im nächsten Blogeintrag

Wenn immer möglich, platzierten wir unsere Absicht, mal mit einem Experten an einem Spiel dabei zu sein. Auf die Zustimmung mit Kopfnicken folgte aber leider nie ein Angebot. Also musste ich etwas nachhelfen. Zuerst hat mir ein Lieferant versprochen uns mitzunehmen (er war bezirzt von meinem Augenaufschlag) und wir haben auch schon Daten ausgewählt, aber seither habe ich nichts mehr gehört (trotzdem wenig erfolgreich geflirtet).

Da witterte ich die nächste Chance im Geschäft, als mir ein Kollege einen unattraktiven Deal für dunkle Ovoschoggi vorschlug, den ich umwandelte in - "wenn Du uns an einen Footymatch mitnimmst, kann ich darüber nachdenken...." - und er biss an.
Scott ist ein grosser Footyfan und Mitglied im MCC (Melbourne Cricket Club). Das bedarf nun einer weiteren Erklärung; wieso ist ein Footyfan Mitglied beim Cricketclub?
Da im Winter nicht Cricket gespielt wird wegen Erfrierungsgefahr (80% der Spielzeit wird rumgestanden), wurde schon vor langer Zeit nach einer Ersatzsportart gesucht, um die Cricketspieler über den Winter fit zu halten. 1859 wurden die ersten Regeln vom Melbourne Fussballklub nieder geschrieben.
Allmählich schliesst sich der Kreis, die Dimensionen des Spielfeldes für Cricket und Footy sind sehr ähnlich und die grossen Cricketstadien werden im Winter von der AFL (Australian Footy League) und im Sommer von Cricketspielern genutzt. Also ist Scott, unser Führer, eben ein Mitglied des MCC, was ihm besondere Möglichkeiten und Rechte einbringt im ältesten Stadion Melbournes (MCG = Melbourne Cricket Ground) ein und auszugehen. Das erste Footyspiel in diesem Stadion geht aufs Jahr 1876 zurück.

Der Vorbereitung und Einführung aber noch nicht genug, denn für den Eintritt in diese Memberarea herrschen klare Regeln, respektive Dresscodes.



Alles im Internet verfügbar und dann auch noch vor dem Eintritt ins Stadion, damit keine Ausrede geltend gemacht werden kann.


Soviel für den Moment. Im nächsten Teil dann mehr zu dem, was hinter den Toren geschieht.

Wer früh genug (1.5 Stunden vor Spielbeginn) da ist, hat einen guten Platz garantiert

Freitag, 25. Juni 2010

Wösche z'Ouschtralie

Beim Waschmaschinenkauf geht es erst mal um die Grundsatzentscheidung - Top oder Front.....

Modell Toplader oder eben Toploader


Modell Frontlader oder eben Frontloader


Während dem in den Schweizer Haushalten wohl kaum ein Toploader gefunden wird, sind in Australien die Frontloader oder auch European Washing machines genannt, eine Rarität. Diese Präferenz rührt in Down under daher, dass die Toploader den Vorteil haben sie auch noch öffnen zu können, wenn sie bereits am arbeiten sind. Das geht dann so: starten, dann noch schnell durch die Wohnung düsen und nach schmutziger Wäsche Ausschau halten und was gefunden wird noch rein schmeissen. Soviel zur guten Organisation im australischen Haushalt.....

Etwas neutraler betrachtet sind die Vorteile des Topladers die längere Lebensdauer, erklärt durch die gleichmässige Belastung wegen der beidseitigen Trommellagerung, der durchschnittlich geringere Platzbedarf, (wobei dieser vom Frontlader dadurch wettgemacht wird, dass man auf diesen einen Tumbler oder ein Gestell für Waschmittel etc. anbringen kann) und die durchschnittlich kürzere Dauer eines Waschganges.

Der von mir aus wichtigste Nachteil des Toploaders ist das Fehlen des Sichtfensters. Es hat doch etwas sehr Beruhigendes vor der Waschmaschine zu stehen und zuzusehen wie es langsam dreht oder hin- und her schwankt.....
Nein im Ernst, der grösste Nachteil ist die merklich weniger saubere Wäsche!

Faktisch ist auch die mechanische Belastung auf die Kleider grösser in diesem Waschmaschinentyp und im weiteren ist die Schleudergeschwindigkeit geringer und die Wäsche entsprechend weniger trocken.
Dies führt zu einer durchwegs schlechteren Energiebilanz.
In diversen Tests bezüglich Umweltfreundlichkeit sind auch in Australien die Frontloader die Gewinner.

Innenleben eines Toploaders mit Rührwerk (Kleider werden mittels Rotation und Vibration des Rührers bewegt)

Innenleben eines Toploaders mit Impeller (Kleider werden durch den Wasserstrom von unten kommend bewegt)

Jede Waschmaschine die in Europa im Handel ist, muss mit dem EU-Energielabel ausgezeichnet sein, auf dem sich die Energie Effizienzklasse ablesen lässt. Dabei werden die Wasch- und Schleuderwirkung, sowie der Wasser- und Stromverbrauch berücksichtigt. Daraus ergeben sich die 7 Klassen A-G (Energieverbrauch A ist <0.19kWh/kg und G ist >0.39kWh/kg)




Der durchschnittliche Wasserverbrauch für einen Waschgang ist in den letzten 30 Jahren auf fast einen Viertel geschrumpft (180Liter gegenüber 49Liter).

Die Energielabel in Australien basieren auf ähnlichen Daten, jedoch ist die Darstellung anders.


Da in Australien Waschen mit kaltem Wasser verbreitet ist, gibt es dafür eine eigene Auszeichnung der Geräte

Mittwoch, 9. Juni 2010

Australiens Ikone N°3

Wenn Du im Kreis des Schuhwerks nach einer australischen Ikone gefragt würdest, kämen wahrscheinlich zuerst die Flip Flops (hier Thongs genannt). Diese sind aber der Saison entsprechend momentan eher out, darum stelle ich heute die Blondstones vor, die wohl noch typischer sind für das Känguruland als die Strandlatschen.

Blundstone hat eine Geschichte die von 3 Jahrhunderten erzählen kann. Gegründet 1870 von einem englischen Karosseriebauer der anstatt wie geplant in Melbourne, in Hobart Tasmanien landete und dort damit begann, importierte Schuhe aus dem Mutterland zu verkaufen. Sehr bald aber damit begann diese lokal herzustellen, wobei ihn seine zwei Söhne früh unterstützten.

Familie Blundstone, 3 Generationen

Den wirtschaftlichen Krisen folgend wechselte das Unternehmen mehrfach die Hände, kam 1932 in die Hände einer anderen Schuhmacherfamilie (Cuthbertson) die den Namen Blundstone aber für die Gerberei in Hobart aufrecht erhielten.


1989 begann Blundstone mit der Produktion von wasserfesten Modellen, was den Einsatzbereich der Schuhe beachtlich erweiterte. Heute gibts neben den traditionellen Arbeitsschuhen auch Freizeit- und Wanderschuhe.

Der Klassiker, von den Aussies auch Blunnies genannt, besteht aus einem braunen gegerbten Leder, hat Elastikeinsätze anstatt Schnürsenkel, meist Stahlkappen und die Sohle ist hitze- und säureresistent sowie rutschfest.

Das Original

Heute wirbt Blundstone zusätzlich mit ihrem SPS (shock protection system) Sohlensystem das Schläge optimal auffängt, respektive beim normalen Gehen um 30% eindämmt und somit Ermüdungen entgegen wirkt.

Blunnies werden hier vor allem von Arbeitern und Abenteurern getragen, ich hab sie aber auch schon als modischen Schuh gesehen, frech kombiniert mit einem Mantelkleid o.ä. (leider kein Foto).
Eines ist aber allgemein gültig, diese Schuhe werden oft getragen bis sie auseinander fallen.

Davids liebste Schuhe, aufgenommen in Daylesford auf dem Camping

Besitzer unbekannt

Für alle die von Blundstone noch nie gehört haben sei erwähnt, dass dies die australische Antwort auf die englischen Doc Martens ist (die aber ihren Ursprung in Deutschland haben). Anfänglich wähnten sich diese  grosser Beliebtheit in der Skinhead- und Punkszene, sind heute aber massentauglich und auch in meiner Kollektion zu finden.....

Sonntag, 6. Juni 2010

Rudern ist fun - auch im Dunkeln

Wiederum die billige Variante! Ich verweise auf Olivers letzten Blogeintrag, da ich ihn sehr ähnlich selbst hätte verfassen können.

Und übrigens, weiss jemand das Ruderkommando auf Deutsch....?

Dienstag, 25. Mai 2010

ANZAC

ANZAC steht für Australian and New Zealand Army Corps, welches im ersten Weltkrieg am 25.April 1915 seinen ersten grossen Kampfeinsatz hatte auf der Seite der Alliierten mit dem Ziel, sich bei den Grossmächten der Welt einen Namen zu machen. Die Mission unter Winston Churchill war, Konstantinopel (heutiges Istanbul) einzunehmen um der alliierten Navi den Weg zum Schwarzen Meer frei zu kämpfen. Der Widerstand war unerwartet gross, dauerte 8 Monate und der Verlust and ANZACs (Wehrmänner dieser australischen und neuseeländischen Allianz) mit 11'000 Toten empfindlich hoch.

Heute ist der 25.April ein Gedenktag für alle Kriegsopfer des ersten und zweiten Weltkriegs und wird teilweise gefeiert mit traditionsbehafteten Ritualen. Zudem ist es ein nationaler Feiertag, welcher uns ein langes Wochenende in den Grampians ermöglichte....

Ein reich geschmückter ANZAC Veteran

Und schliesslich bleibt der heutigen Generation noch eine Erinnerung an diese Kriegseinsätze in Europa. Die ANZAC Biscuits.

Dazu braucht es folgendes.......

Gebacken wird das Ganze ähnlich wie unsere Weihnachtsguetzli und sieht auch entsprechend aus

vorher
nachher

und wie immer, schmecken auch hier die hausgemachten Exemplare besser als die industriellen Pendants.

Über die Geschichte dieser süssen Verführung gibt es viele Spekulationen. Die gängige Überlieferung sagt, dass diese "Guetzli" in einer etwas dickeren und grösseren Form von den Frauen in Australien und Neuseeland gebacken wurden, für ihre Lieben im Krieg. Sie erfüllen das Hauptkriterium, dass sie lange haltbar sind und somit eine mehrwöchige Schiffsreise überleben, zudem sind sie währschaft und werden auch heute  auf lange Wanderungen mitgenommen als eiserne Reserve, oder einfach als Süssigkeit zum Tee, weils so gut schmeckt !

Mittwoch, 12. Mai 2010

Die beiden Riesen

Weil es nicht jedermanns Sache ist, sich auf dem Markt die nötigen Lebensmittel zusammen zu picken, gibt es auch in Australien Migros- und Coop-ähnliche Läden. In der Tat sind es zwei Namen die rund 75% Marktanteil des Detailhandels in Anspruch nehmen.

Die Nummer 1 mit 40% Marktanteil, ist Woolworths Ltd., umgangssprachlich "Woolies" genannt.

 Woolworths'  Werbemotto seit 1987 ist "The Fresh Food People"

Woolworth betreibt 700 Verkaufsstellen, beschäftigt 175'000 Leute und verzeichnete 2007 einen Umsatz von umgerechnet 42 Milliarden CHF.

Gegründet 1925 in Sydney, besitzt das Riesenunternehmen heute andere namhafte Geschäfte wie Safeway, Big W, Caltex (Tankstellen), Dan Murphy's (Bottleshop, Supermarkt mit ausschliesslich Alkohol, insbesondere eine bemerkenswerte Weinkollektion) und Dick Smith Electronics. Auch der Kunde, der in der Schweiz bei Globus Delicatessa einkauft, findet bei Woolworth Ltd sein Paradies. Es heisst hier Thomas Dux Grocer und ist insbesondere in vornehmen Quartieren von Grossstädten anzutreffen.
Zudem ist Woolworth nicht auf den Inselstaat beschränkt sondern auch in Neuseeland, Indien und Hong Kong präsent.

Die Nummer 2 mit 35% Marktanteil ist Coles (Westfarmers)


Coles kann 690 Geschäftsstellen vorweisen, beschäftigt 93'000 Leute und sein Umsatz lag 2008 bei gut 33 Milliarden CHF.

Coles besteht seit 1914 in Australien und die Generaldirektion ist nicht weit von unserem Zuhause weg.
2007 wurde Coles Group Ltd. von Westfarmers für den Spottpreis von 22 Milliarden gekauft und nun weist die Gesamtgruppe eine noch grössere Palette an Tochtergruppen auf als der Konkurrent Woolworths. Wichtigster Vertreter dabei ist das Bunnings Warehouse, sehr stark zu vergleichen mit dem "Bauhaus" in der Schweiz und aufgrund unseres neuen Hobbys (siehe Verweis auf Olivers Blog im letzten Eintrag) sind wir bereits  Stammkunden dort.

Was die beiden Kaufhäuser gemeinsam haben und wir in der Schweiz noch nicht kennen, sind die Selbstbedienungskassen !


Das scheint auf den ersten Moment extrem praktisch zu sein und ist es auch bis zu 10 Artikeln. Alles was mehr ist endet darin, dass man den Aufseher in Minutenabständen zu sich rufen muss, weil das System aus einem unerklärlichen Grund nicht weiter arbeiten möchte.


Es gibt sogar die Möglichkeit, die Ware in den eigens mitgebrachten Rucksack zu packen, anstatt 10 "lödelige" Plastiksäcke zu vergeuden, aber das ist dann das Fortgeschrittenen Programm. Zuerst muss man herausfinden dass man diese Option hat und dies den Computer gleich zu Beginn wissen lassen. Sobald der erste Artikel gescannt ist, gibt es kein zurück mehr. Zudem hat ein leerer, grosser Rucksack die Tendenz umzukippen, wodurch die eher klein bemessene Waage die Tara nicht bestimmen kann usw.
War ich anfänglich diejenige die mit Begeisterung zum self scan check out rannte, ziehe ich heute die "persönliche Abrechnung" an der altbewährten Kasse vor.

Und zum Schluss möchte ich noch kurz das Pendent zum Cash and Carry vorstellen. Der heisst hier Cosco, bedingt eine Mitgliedschaft für den Einkauf und verkauft von allem grosse Einheiten. Das schönste Beispiel ist hier

4.5kg schwer ist diese Toblerone.....

Dienstag, 11. Mai 2010

Fahrrad bekommt Konkurrenz

Wie den meisten von Euch bekannt ist, sind wir Dreiviertel des Jahres in der Schweiz an den Wochenenden regelmässig mit unseren Bikes irgendwo anzutreffen.

 
Da Australien unvergleichlich grösser und anders ist, haben die Velos Konkurrenz bekommen.....

 
 
Oliver stellt diese in seinem Blog vor.
Für echt Interessierte bieten seine Einträge sehr umfangreichen Lesestoff.
Viel Spass