Samstag, 9. Oktober 2010

Australiens Ikone N°4

Endlich - im doppelten Sinn.

Endlich wieder mal einen Eintrag. Mir ist nicht die Lust am, sondern die Zeit zum Bloggen abhanden gekommen, aber das wird sich jetzt wieder ändern.

Endlich kommt die Ikone die wohl die meisten als Nummer eins erwartet hätten. Dabei sei erwähnt, dass meine Nummerierung der Ikonen willkürlich ist.

Die weltbekannten, australischen Strassenschilder

Ich wollte einfach persönlich mindestens 100 Kängurus in der Wildnis gesehen haben, bis ich mich an dieses Thema wagte. Seit wir unseren Aktionsradius bis über die Grenze Victorias erweitert haben, sind die Begegnungen mit dem lustigen Beuteltier zahlreicher geworden. Leider kamen nicht mehr alle in der arttypischen, federleicht hüpfenden Manier daher.

Viele Kängurus finden ihren Tod auf der Strasse, meist in der Dämmerung

Nicht weiter verwunderlich, ist dieses Tier ein Nationales Symbol, das zum Beispiel das  Eindollar Stück ziert und von wichtigen australischen Firmen (bsp. Quantas) als Emblem verwendet wird.



Es ist, wie viele andere Tiere auch, endemisch (d.h. heisst nur in Australien und Neuguinea vorkommend). Den Namen hat das Känguru von einem Aboriginalstamm bekommen, über die Bedeutung streitet man sich noch heute. Es werden 4 Arten unterschieden
  • Red kangaroo, das grösste (bis 2m und 90kg) noch lebende Beuteltier der Welt, vorwiegend im trockenen und halb-trockenen Zentrum des Landes lebend
  • Eastern grey kangaroo, weniger bekannt aber häufiger vorkommend, insbesondere im fruchtbaren Osten
  • Western grey kangaroo, etwas kleiner und leichter (bis 54kg) und im Süden Westaustraliens und im Staat South Australia lebend
  • Antilopine kangaroo ist das im Norden lebende Äquivalent zu den Ost- und Westkängurus

Je nach Geschwindigkeitsbedürfnis wählen die Kängurus zwischen zwei Arten der Fortbewegung.
Bei höherem Tempo springen sie nur mit den Hinterbeinen, der Schwanz bleibt in der Luft und dient der Balance. Auf diese Weise können sie kurzzeitig eine Geschwindigkeit von 50 km/h erreichen. Die Sprünge sind kaum höher als 1.5m und dies wurde kürzlich einem von der Strasse flüchtenden Tier zum Verhängnis - wir sahen nur noch Fell davon fliegen.
Bei langsamer Gangart benutzen sie fünf Gliedmaßen. Während sich das Tier mit Vorderpfoten und Schwanz abstützt, schwingen die Hinterbeine langsam nach vorne; sobald diese stehen, werden Vorderpfoten und Schwanz wieder nachgeholt. Das Ganze sieht nicht nur mühsam aus, sondern kostet auch ziemlich viel Energie.
Kängurus können sich nicht rückwärts fortbewegen!


Kängurubabys kommen nach kurzer Tragzeit (20 bis 40 Tage) und relativ unterentwickelt zur Welt. Das Baby ist mit 2.0 - 2.5cm und 0.5 - 0.75g auch ein Winzling. Üblicherweise kommt nur ein einzelnes Jungtier (Joey) zur Welt. Es krabbelt nach der Geburt selbstständig vom Geburtskanal in den Beutel (kaum erklärbar wo die nötige Energie herkommt bei den erwähnten Körpermassen) und hängt sich mit dem Mund an eine Zitze, die es während der nächsten zwei bis drei Monate nicht mehr loslässt.
Nach rund einem halben Jahr verlässt das Joey erstmals den Beutel, welchem es nach 8 Monaten endgültig entwachsen ist. Bis zum Alter von einem Jahr wird gesäugt, zu diesem Zweck steckt das Joey den Kopf in den Beutel der Mutter, wo häufig bereits ein weiteres kleines Jungtier genährt wird. In solchen Fällen trinken grosses und kleines Jungtier an verschiedenen Zitzen, die auch Milch in verschiedener Zusammensetzung anbieten.


Ausser dem Menschen haben die Kängurus keine natürlichen Feinde und so werden die Populationen durch klar definierte Jagdkontigente stabil gehalten. Jährlich werden rund 3 Millionen Tiere erlegt. Wieviel bei Verkehrsunfällen um Leben kommen ist unbekannt. Die Menschen schützen Ihre "Blechbüchsen" mit riesigen Bullbars von der unsanften Begegnung. Also ein Kennzeichen der Autos im Känguruland.

Zwei Beispiele für normale bullbars

Die Ernährung der Kängurus hängt von ihrem Lebensraum ab. Allen gemeinsam ist, dass sie strikte Vegetarier sind. Gegessen wird bei Tagesanbruch oder in der Dämmerung, den Tag verbringen sie wenn immer möglich im Schatten der Bäume - wenn dann welche vorhanden sind....


Auch nach meinen hundert Begegnungen bin ich immer von Neuem fasziniert von diesem eigenartigen Tier. Es hat viele Gesichter, sieht wie ein Osterhase aus, wenn es sich hinter einem Busch versteckt, wie ein Reh wenn es relaxed im Schatten liegt, oder wie ein Känguru wenn es davon hüpft.

Sonntag, 5. September 2010

Father's day

In der Schweiz ist der Muttertag ein wichtiger Tag im Jahr und Floristen, Confiseure oder Haushaltgeschäfte profitieren ebenso davon wie die Mütter selbst. Das ist in Australien gleich wie zu Hause. Was mir aber in der Schweiz nicht bekannt ist, dass man den Vatertag in gleichem Mass, oder gar noch heftiger, kommerzialisiert. In Melbourne begegne ich diesem "event" seit 6 Wochen regelmässig und alle scheinen Geld machen zu wollen am Vatertag, der heute gefeiert wird.

Bereits am 8.August beglückte mich Telstra (etwa gleich zu stellen mit der Swisscom) mit folgender e-mail.

Der Katalog besteht aus ca. 50 Seiten voller netter Geschenke....

Bereits 10 Tage zuvor stellte uns die Post folgendes zu.


Und schliesslich gibts in allen Warenhäusern, bei jedem Weinhändler und in sämtlichen Elektronikgeschäften Angebote bis zum Abwinken.

In diesem Land gibt es für jeden Anlass die entsprechende Karte, dafür sind die Blankoversionen rar, wie ihr vielleicht selbst schon erfahren habt falls Ihr mit Post von mir beglückt worden seid. Natürlich sind jetzt die Newsagencies (Papeterien) voller lustiger Karten.


Happy Father's day und schöne Sunntig

Montag, 23. August 2010

Fool - erfrischend anders


Was steckt wohl hinter diesem Schild ? Irgend etwas mit Kindern vielleicht ?
Aber was soll der Name? Fool heisst locker übersetzt Dummkopf, Idiot aber auch Kasperle oder Narr - das ist wohl die richtige Interpretation.

Fool ist ein australisches Kleiderlabel und ist erfrischend anders.

Eine farbige und unkonventionelle Kleiderpalette, die ausschliesslich in Australien designt und genäht wird. Hinter dem Label steht eine flippige und stille Einfraushow, die entwirft, Stoffe einkauft und wenn immer möglich auch noch selber näht.

Da für den Verkauf nicht auch noch Zeit bleibt, hat sie zwei Mitarbeiterinnen im einzigen Geschäft in der Grevillestreet in Prahran, Melbourne (mehr Details zu dieser Strasse sind in Olivers Blogeintrag zu finden)

Eine der farbigen Verkäuferinnen

Die Tatsache, dass es sowohl das Label wie auch den Laden bereits seit 15 Jahren gibt beweist, dass das Konzept erfolgreich ist und scheinbar immernoch Spass macht. Der aufmerksame Blogleser wird wohl gemerkt haben, dass ich meine Doc Martens Schuhe vermutlich in diesem Geschäft erstanden habe.....


Kürzlich war ein Garage Sale und ich war dabei. Der Letzte liegt 2.5 Jahre zurück. Da hab ich mir ein paar ganz tolle Erinnerungsstücke erstanden für fast kein Geld. Im Normalangebot liegen die Preise wohl etwa auf dem Nile-Niveau.
Die Stoffe sind etwas weniger raffiniert, dafür die Farben umso bestechender. Da hab ich doch schon oft an Ruth gedacht. Das wäre ein Paradies für sie !


Montag, 9. August 2010

Going on strike

Zur Abwechslung mal wieder ein bisschen Einblick in die australische Arbeitswelt aus meiner ganz persönlichen Perspektive.

Gewerkschaften spielen in der Schweiz eine wenig bedeutende Rolle im Erwerbsleben. Dies ist daran zu erkennen, dass mancher Arbeiter gar nicht weiss ob und welcher Gewerkschaft er angehört. Trotzdem ist jeder Vierte Arbeitnehmer in der Schweiz Gewerkschaftsmitglied.

Die grösste schweizerische Gewerkschaft ist der SGB (Schweizerischer Gewerkschaftsbund) mit rund 385'000 Mitgliedern, dem wiederum 16 Untergewerkschaften angehören. Die wichtigste Rolle spielt heute die UNIA mit 200'000 Mitgliedern. Sie ist als Verein organisiert und wurde 2004 gegründet aus dem Zusammenschluss von GBI (Gewerkschaft Bau & Industrie), SMUV (Gewerkschaft Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen - mit Gründungsjahr 1888 die älteste Schweizer Gewerkschaft) und VHTL (Gewerkschaft Verkauf, Handel, Transport & Lebensmittel).
Die zweitgrösste Gewerkschaft ist Travail Suisse, 2002 gegründet und sie zählt heute 170'000 Mitglieder.


In Australien sieht das etwas anders aus. Die ersten gewerkschaftlichen Verbindungen gehen auf die Jahre um 1850 zurück, dies ging in Hand mit den ersten Goldfunden. 1904 wurde in Queensland die Arbeiterpartei als Regierung gewählt, was noch in keinem anderen Land vorher der Fall war. 1927 wurde ACTU (Australian Council of Trade Unions) gegründet welche bis heute die grösste Gewerkschaft im Land ist. Ihr gehören 46 gewerkschaftliche Unterorganisationen an und sie zählt heute rund 1.8 Millionen zu ihren Mitgliedern.


 Bei der Gründung 1927, repräsentierte die Organisation ausschliesslich die blue collar workers (Handwerker). Ab 1948 bildeten sich parallel Gewerkschaften unter den white collars (Büro-, Verwaltungsangestellte und Beamte) die allesamt 1981 mit der ACTU fusionierten. Die Popularität Gewerkschaftsmitglied zu sein hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Waren es 1988 noch 42%, sind es heute noch 20%, also ein kleinerer Prozentsatz als in der Schweiz. Dies hat insbesondere damit zu tun, dass die australische Gesetzgebung immer mehr Artikel enthält, die Arbeiter gegen Unterbezahlung, schlechte Altersvorsorge etc. staatlich schützt.

Der Einfluss der gewerkschaftlichen Organisation ist aber aus meiner Erfahrung in Australien stärker zu spüren als in der Schweiz. Die Gesamtarbeitsverträge enthalten jedes Detail der Anstellungsbedingungen und werden alle 3 Jahre hart neu verhandelt, so denn nicht die wirtschaftliche Situation signifikant ändert. Dann kann eine Neueinschätzung durchaus vorgezogen werden. Bei AB Food & Beverages Australia wurden 2009 die neuen Bedingungen festgelegt, wegen der globalen Wirtschaftskrise standen aber diese Verhandlungen dieses Jahr erneut an. Dieser Prozess war sehr interessant mitzuverfolgen. In unserer Firma betrifft dies die blue collars, also die Produktionsmitarbeiter, nicht aber die Büroetagen (zu denen auch ich gehöre, obwohl wir mitten in der Produktion sitzen).

 

Die Verhandlungen waren sehr zäh und dauerten insgesamt 2 Monate, wobei z.T. mehrere Meetings in einer Woche statt fanden. Die Gewerkschaft stand dabei sehr klar auf der Arbeitnehmerseite und den Arbeitern wurde eine horrende geforderte Lohnerhöhung von 6.5% empfohlen, als Start in die Verhandlungen. Es ging zu wie an der Börse, es wurde hart argumentiert, z.T. leider wenig fundiert. Die Teuerung im vergangenen Jahr belief sich auf 3.1%, dies nur als Anhaltspunkt, um die 6.5% in Relation zu setzen. Die Arbeitgeberseite versuchte es zu Beginn mit 2.9% und wollte jedoch andere benefits (Leistungen) miteinschliessen, was abgekanzelt wurde, in einer ersten Abstimmung. Der Ball wurde hin und her geschoben bis man sich bei rund 3.5% einpendelte, was für den Arbeitgeber immernoch nicht akzeptabel war, aufgrund des mässigen Geschäftsganges. Schliesslich sassen wir dann während 3 Wochen auf einem Pulverfass, denn die Arbeiter haben das Recht zu streiken, d.h. Arbeitsverweigerung, müssen dies jedoch 48 Stunden vor Streikbeginn ankünden. Dagegen kann aber der Arbeitgeber nichts tun, respektive es bleibt ihm einzig, in den Verhandlungen nachzugeben. Das taten sie zum Teil, aber nicht zur Zufriedenheit der Arbeitnehmer, wodurch das Streikrisiko als hoch eingeschätzt wurde.
Auch bemerkte ich eine ziemlich unmotivierte und lasche Arbeitsweise während dieser Zeit, was wohl als Provokation gedacht war. Jegliche Überzeit wurde verweigert  - und dies in der Hochsaison (weil wir ja hauptsächlich Pulver für Heissgetränke produzieren). Die Endabstimmung ob Streik Ja oder Nein entschied sich scheinbar mit 2 Stimmen gegen einen Streik und seither scheint wieder alles normal zu sein.


Wenn auch in der Schweiz ein Streikrecht besteht, sind die Bedingungen etwas weniger einladend, die Hemmschwelle liegt wohl auch aus kulturellen und historischen Gründen viel höher und zudem nehmen die Gewerkschaften eine etwas gemässigtere Stellung ein.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Footy - Teil 2

Als Einstieg zum Teil 2 eine Aufsicht auf den Melbourne Cricket Ground, auf dessen Geschichte ich im Teil 1 kurz eingegangen bin.


Das nähere Betrachten eröffnet einen wenig attraktiven Bau, aber zumindest vor dem Spiel ist er noch gut zugänglich....


Je früher man dort ist, umso grösser die Chance auf gute Sitzplätze. Auch in der Memberzone wo wir waren, gibts keine nummerierten und vorreservierten Plätze. Dies treibt aber bestimmt die Abverkäufe von Getränken und Fastfood an und das Angebot im Stadion ist beachtlich.
Auch an einem schönen und trockenen Nachmittag wie unser Spieltag war, gibt es Männer, die das ganze Spiel auf grossen Bildschirmen in der Bar oder im hauseigenen Pub mitverfolgen. Soviel zur Allwettertauglichkeit der Melbournians (auf dem Land sind sie hartgesotten!).

Wir nutzten die 1.5 stündige Wartezeit um das Museum des MCC (Melbourne Cricket Club) anzuschauen. Die Aufseher dort haben einen ehrenvollen Job und geben bereitwillig ihre Anekdoten zum Besten.

So langsam füllt sich dann das Stadion mit grossen und kleinen Fans.

Die Australier lassen sich gerne ablichten, so auch der kleine Ken. Früh übt sich.....

Vor dem Anpfiff werden die beiden Teams euphorisch von den Zuschauern begrüsst, sobald das Tagesmotto präsentiert wird. Jedes Team kreiert für jedes Spiel einen neuen Spruch.

Collingwood stellt sich vor.......

....... und der Gegner St.Kilda, beide Teams aus Melbourne

 Unter tosendem Applaus verschwinden die Athleten hinter dem Plakat und begeben sich in die Anspielzone.

 
 Die Stimmung im Stadion ist berauschend, laut aber äusserst friedlich. Hooligans gibts hier keine.

Die Regeln und Eigenheiten des Spiels hat Oliver in seinem Blog bereits beschrieben, somit auch, wie der Spielstand in meinem letzten Eintrag zu lesen ist, aber etwas wichtiges fehlt noch, um das ganze happening abzurunden.

Aufgrund der 4x20 Minuten Spielzeit gibt es 3 Pausen. Die Mittlere ist die längste und wird genutzt, um den Nachwuchs im grossen Stadion spielen zu lassen. Plötzlich raste also eine Rasselbande von Kindern zwischen 6 und 10 Jahren auf den Rasen, die dann von den zahlreichen Schiedsrichtern gebändigt wurde und innert Kürze entstanden aus einem, vier Spielfelder. Das ist nicht nur für die Kinder wahnsinnig aufregend,


sondern auch für die Eltern, die in ihren Labormänteln das Ganze dokumentieren !


Wie nicht anders zu erwarten, waren wir nicht ganz alleine dort, sondern in bester Gesellschaft von 81'000 anderen.


Bis sich dann dieser Tross verschoben hatte, brauchte es etwas Geduld, aber das Angenehme dabei ist, dass man sich nicht vor grölenden, betrunkenen Fans in Acht nehmen muss. Es ist nicht unüblich, dass Fans beider Teams, gut gelaunt und Arm in Arm davon ziehen. Ein weiteres Zeichen, das die grosse Toleranz der Aussies unterstreicht.

Montag, 19. Juli 2010

Footy - wir waren dabei (Teil 1)

Da wir am australischen Sportgeschehen wenn immer möglich teilhaben wollen, war es schon länger unser Wunsch, an einem Footygame (Australian rule football = Fussball nach australischen Regeln) live dabei zu sein. Dies wollten wir aber nur unter kundiger Führung tun, um dem Spielverlauf auch folgen zu können, denn die Regeln, respektive das Punkte zählen, sind auf den ersten Blick schon eher eigenartig.

Der Schlüssel zur Entzifferung folgt dann im nächsten Blogeintrag

Wenn immer möglich, platzierten wir unsere Absicht, mal mit einem Experten an einem Spiel dabei zu sein. Auf die Zustimmung mit Kopfnicken folgte aber leider nie ein Angebot. Also musste ich etwas nachhelfen. Zuerst hat mir ein Lieferant versprochen uns mitzunehmen (er war bezirzt von meinem Augenaufschlag) und wir haben auch schon Daten ausgewählt, aber seither habe ich nichts mehr gehört (trotzdem wenig erfolgreich geflirtet).

Da witterte ich die nächste Chance im Geschäft, als mir ein Kollege einen unattraktiven Deal für dunkle Ovoschoggi vorschlug, den ich umwandelte in - "wenn Du uns an einen Footymatch mitnimmst, kann ich darüber nachdenken...." - und er biss an.
Scott ist ein grosser Footyfan und Mitglied im MCC (Melbourne Cricket Club). Das bedarf nun einer weiteren Erklärung; wieso ist ein Footyfan Mitglied beim Cricketclub?
Da im Winter nicht Cricket gespielt wird wegen Erfrierungsgefahr (80% der Spielzeit wird rumgestanden), wurde schon vor langer Zeit nach einer Ersatzsportart gesucht, um die Cricketspieler über den Winter fit zu halten. 1859 wurden die ersten Regeln vom Melbourne Fussballklub nieder geschrieben.
Allmählich schliesst sich der Kreis, die Dimensionen des Spielfeldes für Cricket und Footy sind sehr ähnlich und die grossen Cricketstadien werden im Winter von der AFL (Australian Footy League) und im Sommer von Cricketspielern genutzt. Also ist Scott, unser Führer, eben ein Mitglied des MCC, was ihm besondere Möglichkeiten und Rechte einbringt im ältesten Stadion Melbournes (MCG = Melbourne Cricket Ground) ein und auszugehen. Das erste Footyspiel in diesem Stadion geht aufs Jahr 1876 zurück.

Der Vorbereitung und Einführung aber noch nicht genug, denn für den Eintritt in diese Memberarea herrschen klare Regeln, respektive Dresscodes.



Alles im Internet verfügbar und dann auch noch vor dem Eintritt ins Stadion, damit keine Ausrede geltend gemacht werden kann.


Soviel für den Moment. Im nächsten Teil dann mehr zu dem, was hinter den Toren geschieht.

Wer früh genug (1.5 Stunden vor Spielbeginn) da ist, hat einen guten Platz garantiert

Freitag, 25. Juni 2010

Wösche z'Ouschtralie

Beim Waschmaschinenkauf geht es erst mal um die Grundsatzentscheidung - Top oder Front.....

Modell Toplader oder eben Toploader


Modell Frontlader oder eben Frontloader


Während dem in den Schweizer Haushalten wohl kaum ein Toploader gefunden wird, sind in Australien die Frontloader oder auch European Washing machines genannt, eine Rarität. Diese Präferenz rührt in Down under daher, dass die Toploader den Vorteil haben sie auch noch öffnen zu können, wenn sie bereits am arbeiten sind. Das geht dann so: starten, dann noch schnell durch die Wohnung düsen und nach schmutziger Wäsche Ausschau halten und was gefunden wird noch rein schmeissen. Soviel zur guten Organisation im australischen Haushalt.....

Etwas neutraler betrachtet sind die Vorteile des Topladers die längere Lebensdauer, erklärt durch die gleichmässige Belastung wegen der beidseitigen Trommellagerung, der durchschnittlich geringere Platzbedarf, (wobei dieser vom Frontlader dadurch wettgemacht wird, dass man auf diesen einen Tumbler oder ein Gestell für Waschmittel etc. anbringen kann) und die durchschnittlich kürzere Dauer eines Waschganges.

Der von mir aus wichtigste Nachteil des Toploaders ist das Fehlen des Sichtfensters. Es hat doch etwas sehr Beruhigendes vor der Waschmaschine zu stehen und zuzusehen wie es langsam dreht oder hin- und her schwankt.....
Nein im Ernst, der grösste Nachteil ist die merklich weniger saubere Wäsche!

Faktisch ist auch die mechanische Belastung auf die Kleider grösser in diesem Waschmaschinentyp und im weiteren ist die Schleudergeschwindigkeit geringer und die Wäsche entsprechend weniger trocken.
Dies führt zu einer durchwegs schlechteren Energiebilanz.
In diversen Tests bezüglich Umweltfreundlichkeit sind auch in Australien die Frontloader die Gewinner.

Innenleben eines Toploaders mit Rührwerk (Kleider werden mittels Rotation und Vibration des Rührers bewegt)

Innenleben eines Toploaders mit Impeller (Kleider werden durch den Wasserstrom von unten kommend bewegt)

Jede Waschmaschine die in Europa im Handel ist, muss mit dem EU-Energielabel ausgezeichnet sein, auf dem sich die Energie Effizienzklasse ablesen lässt. Dabei werden die Wasch- und Schleuderwirkung, sowie der Wasser- und Stromverbrauch berücksichtigt. Daraus ergeben sich die 7 Klassen A-G (Energieverbrauch A ist <0.19kWh/kg und G ist >0.39kWh/kg)




Der durchschnittliche Wasserverbrauch für einen Waschgang ist in den letzten 30 Jahren auf fast einen Viertel geschrumpft (180Liter gegenüber 49Liter).

Die Energielabel in Australien basieren auf ähnlichen Daten, jedoch ist die Darstellung anders.


Da in Australien Waschen mit kaltem Wasser verbreitet ist, gibt es dafür eine eigene Auszeichnung der Geräte